Kapitel 4: Kein Kommentar

Entgegen des widerwärtigen Brauchs, einen Blog mit einer so genannten Kommentarfunktion auszustatten, wird auf unserer schönen Seite darauf verzichtet. Ein Teil der geneigten Leserschaft hat dies sicherlich schon bemerkt. Wir verfahren zum einen so, weil uns andere Meinungen nicht interessieren. Zum anderen ist dem Verfasser auf der ganzen weiten Welt keine Kommentarspalte bekannt geworden, die des Lesens würdig gewesen wäre.

Mit der Bereitstellung einer solchen Funktion wird den Besuchern von zum Beispiel Seiten irgendwelcher Zeitungen vorgegaukelt, es würde Wert auf ihre wertlose Meinung gelegt. Dabei geht es doch nur darum, Leute, die eh keine Zeitung kaufen oder gar lesen würden, möglichst lange auf der Seite zu halten, damit man ihnen Reklame zeigen kann. Es reichen fünf Minuten Beschäftigung mit dieser Materie aus, um festzustellen, dass der sich in Kommentarspalten absetzende Meinungsmüll in etwa so wertvoll ist, wie das Zeug, dass man vom Boden einer tagelang in der Sonne stehenden Misttonne kratzen könnte. Und das ist nur der gefilterte Müllrückstand, denn zuvor mussten studentische Beschäftigte oder Praktikanten diese „Foren“ vom größten rassistischen und antisemitischen Dreck säubern. Allein schon den Begriff „Forum“ für Kommentarkippen zu gebrauchen ist Frevel. Denn während auf dem antiken Forum in weißem Tuch gekleidete Diskutanten mit der Kraft des besseren Arguments einen Disput zu bestehen versuchten, gleichen Online-Foren Jauchegruben, in denen sich verhaltensauffällige Idioten mit Kot bewerfen.

Wir haben an anderer Stelle bereits darauf hingewiesen, dass die angebliche Toleranz und Offenheit Berlins in Wirklichkeit nur verdeckte Ignoranz ist. Diese Ignoranz geht oft einher mit nicht verarbeiteter Aggression und einem von Neid zerfressenen Selbstbild. Als Beleg für diese Behauptung mag der Blick in die Kommentarspalten im Onlineangebot Berliner Tageszeitungen dienen. Da brechen sich Hass, Halbbildung und Ausdrücke öder Lebensführung ungehindert Bahn.

Besonders übel ist es, wenn die kommentierten Berichte sich um Geflüchtete drehen. In der verkommenen Gedankenwelt solcher „Foristen“ gilt das Gesabber eines weltfremden Greises wie Thilo Sarrazin als Heilslehre. Für die anonymen Schmierer sind die Flüchtlinge selber schuld, wenn sie im Mittelmeer ersaufen. Und die Seenotretter besorgen das Geschäft der Schlepper. Und wer es dann doch noch nach Berlin schafft, will nur gutes deutsches Geld absahnen, bevor er deutsche Mädchen anfasst. Die deutschen Mädchen und Frauen, die von ihren Chefs tatsächlich angefasst wurden, sind wiederum auch selber schuld. Oder sie wollen nur Aufmerksamkeit und überhaupt gilt für den Mann die Unschuldsvermutung. Für den deutschen ohnehin, falls er nicht Muselmann oder unweiß ist. Und die Wissenschaftler haben alle keine Ahnung, aber die Arschlöcher von der AfD, die sagen endlich mal, was man ja wohl noch wird sagen dürfen, was man aber dann doch nicht kann, weil ja Zensur herrscht.

Wenn diese Leute, die Kommentarspalten vollätzen, straffrei Hunde vergiften, Frauen verprügeln und Flüchtlinge umfahren könnten, sie würden es wahrscheinlich tun. Aber weil sie es zumeist eh nicht aus ihrer verstunkenen Buchte schaffen, ist auf der Straße Ruhe und nur im „Forum“ wird gedroschen. Wenn solche Leute doch mal rauskommen, dann samstags. Dann fahren sie in verschwitzten blass-bunten Hemden und Sandalen in den Elektronikfachmarkt und kaufen blöde Dinge. Vorher stehen sie eine Viertelstunde kopfschüttelnd vor dem Radioweckerregal und belehren das Verkaufspersonal. Zu Hause haben sie eine Plastiktischdecke auf dem Küchentisch liegen und drauf steht ein Plastikaschenbecher von der Sparkasse. Es sind armselige Existenzen.


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