Kapitel 7: Öffentlicher Personennahverkehr

In Berlin lassen sich Ärgernisse durchaus in Teilärgernisse aufteilen. Dies ist zum Beispiel beim Öffentlichen Personennahverkehr angebracht, den wir hier auf unserer schönen Internetpräsenz schon mehrfach erwähnten. Die Aufteilung in Teilärgernisse, die zusammen genommen ein großes Ärgernis ergeben, ist hier sinnvoll, da sonst der Überblick verloren gehen könnte. Wir hatten bereits in Kapitel 2 unseres Essays kurze Ausführungen zum Berliner Öffentlichen Personennahverkehr gemacht und wollen hier kurz an diese anschließen. Denn der Mundgeruch verschwitzter Fahrgäste ist ja nur ein Aspekt in der Gesamtschau. Es werden in der Zukunft sicher noch weitere Beiträge zu diesem Themenkreis folgen, denn das Gesamtärgernis allein in einem Text zu beschreiben würde sonst Ausmaße eines Schinkens von Theodor Mommsen annehmen. Es gehört zu dem, was man in Berlin für Ironie hält, sich über Zustand und Pünktlichkeit des Öffentlichen Personennahverkehrs zu mockieren. Weil die Züge halt immer zu spät kommen und schmutzig sind. Und weil seitens der Verkehrsunternehmen immer wieder die blödesten Lautsprecherdurchsagen erfolgen, warum ein Zug angeblich nicht fahren könne. Dabei ist es doch in Wirklichkeit so, dass die Verkehrsunternehmen an sich natürlich schrottig sind, ihre Fahrgäste jedoch weiß Gott noch viel größere Ärgernisse darstellen.

Personennahverkehr heißt es wahrscheinlich deshalb, weil man mit Personen nah beieinander steht, mit denen man sonst keinesfalls verkehren würde. Wenn Sie nicht das Glück haben, über 1,85 Meter groß zu sein, wird es Ihnen früher oder später passieren, dass ein unbedachter, idiotischer Mensch Ihnen während des Einstiegs in die S-Bahn seinen Rucksack ins Antlitz rammt. Nicht, weil es dieser Mensch darauf angelegt hätte. Nein – einfach weil dieser Mensch, so wie ganz viele andere Menschen in Berlin auch, zu dumm ist, seinen Rucksack beim Einstieg in den überfüllten Waggon abzunehmen. Etwas dümmer noch sind Menschen, die ihre Fahrräder mit in den Waggon quetschen. Warum, so fragt sich der gesittete Fahrgast, transportiert jemand sein Fahrrad mit dem Öffentlichen Personennahverkehr? Ist ein Fahrrad nicht dazu da, an der frischen Luft ausgefahren zu werden? Ist es nicht der Zweck der Fahrradbeschaffung, mit dem Fahrrad zu fahren? In Berlin offenbar nicht. Hier ist der Zweck der Fahrradbeschaffung, damit anderen Menschen auf die Ketten zu gehen.

Menschen, die ihre dreckigen Fahrräder ohne Not und aus reiner Faulheit in die S-Bahn mitnehmen, verdienen die selbe Verachtung wie jene radfahrenden jungen Eltern, die mit ihrem schlingernd fahrenden Nachwuchs das Trottoir für brave Passanten unsicher machen. Beide Personengruppen sollte man mit scharfen Verweisen bedenken. Besser noch, man ließe sie von Hunden beißen. Denn Hunde sind, gerade im Öffentlichen Personennahverkehr und auf dem Trottoir, das Sympathischste an dieser Stadt. Recht wäre es, Berlin würde den Hunden überlassen. Die Stadt und die Hunde und ich. Das wär schön.


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